Vom Reichstag zum Bundestag in Berlin
 
 

Bundesversammlungen, die nicht in Berlin zusammentreten konnten
 

Inzwischen schauen wir auf 13 Bundesversammlungen zurück, die nach Artikel 54 Grundgesetz nur eine Aufgabe hatten, für eine fünfjährige Amtszeit einen Bundespräsidenten zu wählen. Eigentlich begründete bereits die 6. Bundesversammlung, wenn auch eine Woche zu früh, die Tradition, die Bundesversammlungen am Tag des Grundgesetzes, dem 23. Mai, einzuberufen.

1949 war es aus einer Vielzahl von Gründen undenkbar, Bundesversammlungen nach Berlin einzuberufen. Von 1954 bis 1969 setzte die Bundesrepublik Deutschland mit Berlin als Ort der Bundesversammlung nicht nur ein Zeichen für die deutsche Einheit, sondern zeigte Mut, sich vor der UdSSR nicht zu beugen und auf die gewachsenen Bindungen des Bundes mit Berlin zu bestehen. Durch die Verträge mit der UdSSR und der DDR durften allerdings weitere Bundesversammlungen nicht mehr nach Berlin einberufen werden, sondern fanden in Bonn statt, ehe durch die deutsche Einheit Berlin wieder Versammlungsort der Bundesversammlungen wurde. Nachweislich persönlich bei den Sonderpostämtern der Bundesversammlungen eingelieferte Einschreibsendungen sind selten, weil sie nur einem überschaubaren Personenkreis möglich waren.

Im zweiten Wahlgang wählte die erste 1. Bundesversammlung im Bundeshaus zu Bonn (Mi Bund 111-112, 976, 1289) am 12. September 1949 Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Noch am Abend seiner Wahl hielt er vom Portal des Bonner Rathauses seine erste Ansprache als Bundespräsident. Anlässlich der Bundesversammlung wurde bei den Postämtern (22c) Bonn 1 und (22c) Bonn Bundeshaus ein Besonderer Stempel „Tag der Wahl des Bundespräsidenten“ (Kennbuchstaben a bis c) geführt. Am 13. September 1949 wurde zum Empfang des Bundespräsidenten in Schloss Augustusburg (Mi Bund 1913) in Brühl ein Sonderstempel verwendet.

Zum 70. Geburtstag von Bundespräsident Theodor Heuss erschienen am 31. Januar 1954 die ersten Werte der neuen Dauerserie mit seinem Porträt zu 4, 10, 20 und 30 Pf (Mi Bund 178 x, 183 x, 185 x, 187 x). In Bonn wurde vom Erstausgabetag bis zum 28. Juli 1954 ein Besonderer Stempel mit dem Datum des 31. Januar 1954 eingesetzt.

Zum 75. Geburtstag des Bundespräsidenten erschienen für das Bundesgebiet und Berlin am 31. Januar 1959 je zwei Dauermarken mit seinem Kopfbild im Medaillon zu 10 und 20 Pf (Mi Bund 303-304, Berlin 183-184). Am Vorabend des zehnjährigen Bestehens der Bundesrepublik Deutschland kamen je zwei weitere Dauermarken zu 40 und 70 Pf (Mi Bund 305-306, Berlin 185-186) an die Schalter. Der Erstausgabetag fiel mit der am 22. Mai 1959 in der Hansestadt Hamburg beginnenden internationalen Briefmarkenausstellung INTERPOSTA ´59 (22. bis 31. Mai) (Mi Bund 310 a-311 a) zusammen.

Der amtierende Bundespräsident Heinrich Lübke wurde am 14. Oktober 1967 erneut mit je zwei Sonderpostwertzeichen für das Bundesgebiet und den Bereich der Landespostdirektion Berlin zu 30 und 50 Pf (Mi Bund 542-543, Berlin 314-315) in einer Auflage von 50,55 und 50,95 sowie 10,85 und 7,45 Millionen gewürdigt.

Am 15. Mai 1974 trat in der Beethovenhalle zu Bonn (Mi Bund 315-319, Bl 2) die 6. Bundesversammlung zusammen. Als Nachfolger von Gustav Heinemann wurde von der Bundesversammlung Walter Scheel (geb. 1919) (FDP) (Mi Bund 1159) zum Bundespräsidenten gewählt. Die Deutsche Bundespost setzte zur Bundesversammlung einen Besonderen Stempel (Ovalform) mit der bildlichen Darstellung der Beethovenhalle ein. Der Besondere Stempel wurde in der Schalterhalle des Postamtes 53 Bonn 1, bei der Sonderstempelstelle, der Schalterstelle im Abgeordnetenhochhaus des Postamtes 53 Bonn 12 und beim Sonderpostamt in der Beethovenhalle abgedruckt. Beim Sonderpostamt in der Beethovenhalle, das öffentlich nicht zugänglich war, wurde der Tagesstempel 53 Bonn 1 mit dem Kennbuchstaben x geführt, die Einschreibnummernzettel hatten den Unterscheidungsbuchstaben uu.

Zum 25jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland erschienen am 15. Mai 1974 ein Gedenkblock mit einem Sonderpostwertzeichen zu 40 Pf (Mi Bund 807, Bl 10) sowie eine Sonderpostkarte mit einem Sonderwertzeicheneindruck zu 30 Pf (Mi Bund Pso 4). Das Sonderpostwertzeichen des Gedenkblocks zeigt den Bundesadler sowie die Bundesfarben Schwarz-Rot-Gold, der Sonderwertzeicheneindruck auf der von allen Postämtern abgegebenen Sonderpostkarte das am Eingang des Bürohauses des Bundeshauses angebrachte Relief „Phönix aus der Asche" auf dem Hintergrund der Bundesfarben sowie auf der Bildseite das Unterschriftsblatt des Grundgesetzes vom 23. Mai 1949 (auch Mi Bund 1105-1107, 2050, Bl 48, Neuausgabe vom 3. September 2009). Der Ersttagsstempel 53 Bonn 1 (Ovalform) wurde auch auf den Sonderpostkarten abgedruckt. Als bildliche Darstellung zeigt er einen konturierten Bundesadler im Wappenschild. Wiederum wurde der Ersttagsstempel in der Schalterhalle des Postamtes 53 Bonn 1, bei der Sonderstempelstelle und der Schalterstelle im Abgeordnetenhochhaus des Postamtes 53 Bonn 12 abgedruckt.

Am 23. Mai 1979 trat in der Beethovenhalle zu Bonn die 7. Bundesversammlung zusammen und wählte Karl Carstens (1914 bis 1992) (CDU) (Mi Bund 1160) zum Bundespräsidenten. Die Deutsche Bundespost hatte zum Staatsjubiläum zwar kein Sonderpostwertzeichen herausgegeben, führte aber anlässlich der Bundesversammlung in der Schalterhalle des Postamtes 5300 Bonn 1, der Sonderstempelstelle, der Schalterstelle im Abgeordnetenhochhaus des Postamtes 5300 Bonn 12 sowie beim Sonderpostamt in der Beethovenhalle, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich war, einen Besonderen Stempel, der als bildliche Darstellung den präsidialen Bundesadler zeigt. Das Sonderpostamt in der Beethovenhalle verklebte auf Einschreibsendungen Einschreibnummernzettel 5300 Bonn 1 mit dem Unterscheidungsbuchstaben uu, wie sie damals bei Sonderpostämtern in Bonn verwendet wurden.

Wenn auch nicht zur Bundesversammlung, so erschien in der Sonderpostwertzeichenreihe „Grundgedanken der Demokratie“ als zweite Folge am 10. November 1982 in einer Auflage von 15,388 Millionen der Block „Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland“, der neben dem Stander des Bundespräsidenten auf einem Zierfeld auf fünf Marken zu 80 Pf die Porträts der Bundespräsidenten Theodor Heuss, Heinrich Lübke, Gustav Heinemann, Walter Scheel und Karl Carstens abbildet (Mi Bund 1156-1160, Bl 18).

Am Tag des Grundgesetzes, dem 23. Mai 1984, war die 8. Bundesversammlung in die Beethovenhalle einberufen worden und wählte Richard von Weizsäcker (geb. 1920) (CDU) als Nachfolger von Karl Carstens zum Bundespräsidenten. Die Deutsche Bundespost setzte aus Anlass der Bundesversammlung einen Besonderen Stempel (Ovalform) ein, der in der Schalterhalle des Postamtes 5300 Bonn 1, der Sonderstempelstelle, der Schalterstelle des Postamtes 5300 Bonn 12 im Abgeordnetenhochhaus und beim Sonderpostamt, das öffentlich nicht zugänglich war, abgedruckt wurde. Der Stempel stellt die von 1863 bis 1865 erbaute Villa Hammerschmidt dar, die auch eine Bildpostkarte (r 2/21 40.000 2 87) farbig illustriert. Als die Villa Hammerschmidt renoviert wurde, war der Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten vorübergehend nach Schloss Falkenlust bei Brühl (Mi Bund 1913) ausgelagert worden. Das Sonderpostamt, das neben Post- auch Fernmeldedienste wahrnahm, führte den Tagesstempel 5300 Bonn 1 mit dem Kennbuchstaben g und Einschreibnummernzettel aus einer fortlaufenden Folge für die Sonderpostämter 5300 Bonn 1 mit dem Unterscheidungsbuchstaben hh.

Bereits einige Tage vor dem 40jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland erschien am 5. Mai 1989 das Sonderpostwertzeichen "40 Jahre Bundesrepublik Deutschland", das auf drei Tafeln einer Ausstellungsfläche den Bundesadler, die Farben Schwarz-Rot-Gold und die Unterschriften der Bundespräsidenten Heuss, Lübke, Heinemann, Scheel, Carstens und von Weizsäcker zeigt (Mi Bund 1421). Der Ersttagsstempel illustriert das Signet des Jubiläumsjahres: Die Zahl 40 mit der in ihr verschlungenen konturierten Bundesfahne. Wiederum wurde der Ersttagsstempel in der Schalterhalle des Postamtes 5300 Bonn 1, der Sonderstempelstelle und in der Schalterstelle des Postamtes 5300 Bonn 12 im Abgeordnetenhochhaus eingesetzt.

Am 23. Mai 1989 kam in der Beethovenhalle zu Bonn die 9. Bundesversammlung zusammen und wählte Richard von Weizsäcker für eine zweite Amtszeit zum Bundespräsidenten. Im Foyer der Beethovenhalle wurde ein Sonderpostamt eingerichtet, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Es führte keinen Sonderstempel, sondern die Tagesstempel 5300 Bonn 1 mit den Kennbuchstaben g und y, Einschreibnummernzettel 5300 Bonn 1 mit dem Unterscheidungsbuchstaben hh sowie Wertnummernzettel mit dem Unterscheidungsbuchstaben h. Das Sonderpostamt nahm alle Postdienste, Postbank- und Fernmeldedienste wahr. Um den Mitgliedern der Bundesversammlung den Weg zum Postamt zu ersparen, wurde der Besondere Stempel (Ovalform) mit dem präsidialen Bundesadler nicht nur in der Schalterhalle des Postamtes 5300 Bonn 1, bei der Sonderstempelstelle und der Schalterstelle des Postamtes 5300 Bonn 12 im Abgeordnetenhochhaus geführt, sondern auch beim Sonderpostamt abgedruckt. Interessant ist noch, dass die Einlieferungsbescheinigungen beim Sonderpostamt angenommener Postanweisungen statt mit dem Bezirksstempel mit einem provisorischen Formularstempel und handschriftlicher Nummer sowie dem Namenszeichen bestätigt und erst beim Postamt 5300 Bonn 17 in der Dorotheenstraße 103 auf dem Hauptteil mit dem Bezirksstempel überdruckt wurden. Belegt ist dies allerdings nur bei der einzigen dort angenommenen Postanweisung. Eine ähnliche Verfahrensweise zeigen auch am 9. März 1993 im Hotel Maritim bei der 1. Vollversammlung der Vereinigung europäischer Postdienstbetreiber (PostEurop) persönlich eingelieferte Einschreibsendungen, weil die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung von einer im Umbruch befindlichen Postverwaltung für nicht wahrscheinlich gehalten worden war. Am 24. Mai 1989 feierte die Bundesrepublik Deutschland ihren 40. Geburtstag. Beim Postamt 5300 Bonn 1 wurde ein Besonderer Stempel (Ovalform) mit der bildlichen Wiedergabe des Museums Alexander Koenig (Mi Bund 1288, 1986, Bl 43) eingesetzt. Auch dieser Besondere Stempel wurde wie schon am Tage zuvor in der Schalterhalle des Postamtes 5300 Bonn 1, bei der Sonderstempelstelle und auch bei der Schalterstelle im Abgeordnetenhochhaus des Postamtes 5300 Bonn 12 abgedruckt. Nach Vollendung der deutschen Einheit kamen alle weiteren Bundesversammlungen im Reichstagsgebäude in Berlin zusammen.

 
 
 
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