Vom Reichstag zum Bundestag in Berlin
 
 

Der Deutsche Bundestag in Berlin (West) 1949 bis 1990
 

Bereits 1948 hatten am Reichstagsgebäude erste Aufräumungsarbeiten begonnen. 1950 ging es in die Liegenschaftsverwaltung der Bundesrepublik Deutschland über.

Ohne Beteiligung der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages fand vom 25. Januar bis 18. Februar 1954 in Berlin die Viermächtekonferenz statt. Am 25. Januar traten die Außenminister der Alliierten, John Forster Dulles (1888 bis 1959) (USA), Anthony Eden (1897 bis 1977) (Großbritannien), Georges Bidault (1899 bis 1993) (Frankreich) und Wjatscheslaw M. Molotow (1890 bis 1986) (UdSSR), mit ihren Delegationen im ehemaligen Kontrollratsgebäude in Berlin-Schöneberg (US-Sektor) zur Eröffnungssitzung der Außenminister-Konferenz zusammen.

Die Senatsverwaltung für Post- und Fernmeldewesen gab gemäß Senatsbeschluss Nr. 4199 vom 18. Januar 1954 anlässlich der Konferenz am 25. Januar 1954 ein Sonderpostwertzeichen zu 20 Pf heraus (Mi Berlin 116). Es zeigt das Gebäude des Kontrollrates, des ehemaligen Kammergerichts, das für die Sitzungen der Außenminister in Berlin (West) als Konferenzgebäude diente. Das Sonderpostwertzeichen wurde am Ersttag auch von einem Sonderpostamt im früheren „Kathreinerhaus“ in der Potsdamer Straße, das auch einen Sonderstempel führte, abgegeben. Bis zum Ende der Konferenz wurde der Sonderstempel mit aktueller Tagesangabe weiter geführt.

Das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik gab am gleichen Tag ein Sonderpostwertzeichen zu 12 Pf heraus (Mi DDR 424). Im oberen Teil des Markenbildes zeigt es den Verhandlungstisch, über dem die von Pablo Picasso (1981 bis 1973), dem Schöpfer des Gemäldes „Guernica“ (1937), entworfene Friedenstaube schwebt. Der Tisch wird halbkreisförmig von der Inschrift „Außenministerkonferenz in Berlin 1954“ umrahmt. Im unteren Teil sind Massen erwartungsvoller Menschen dargestellt, die ihren an die Außenministerkonferenz gestellten Forderungen Ausdruck verleihen. In der Mitte des Wertzeichens befindet sich ein Spruchband mit der Aufschrift: „Wir fordern einen Friedensvertrag mit Deutschland.“ Quer über dem Spruchband befindet sich als Zeichen des Friedens ein Ölzweig. Während der Konferenz richtete die Deutsche Post der DDR in Berlin folgende Sonderpostämter ein: Zweigpostämter des Postamtes Berlin N 4 1) Hotel Johannishof 2) Hotel Coburger Hof Zweigpostämter des Postamtes Berlin W 8 3) Hotel Adlon 4) Pressezentrum, Thälmannplatz Zweigpostamt des Postamtes Berlin-Grünau 1 5) Flugplatz Schönefeld Der Aufgabenkreis der Sonderpostämter umfasste folgende Dienste: 1, 2 und 3): Verkauf von Postwertzeichen, Sondermarken und Presseerzeugnissen, Annahme von gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen und von Telegrammen, Luftpostdienst, Gefälligkeitsstemplungen 4 und 5): Verkauf von Postwertzeichen, Sondermarken und Presseerzeugnissen, Annahme von gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen und von Telegrammen, Luftpostdienst, Vermittlung von Ferngesprächen, Gefälligkeitsstemplungen.

Am 17. Juli 1954 trat in der Ostpreußenhalle der Ausstellungshallen am Berliner Funkturm (Mi Berlin 112, 121, 135, 142) die 2. Bundesversammlung zusammen und wählte Theodor Heuss (1884 bis 1963) (FDP) (Mi Bund 177-196, 302-306, 1156, Neuausgabe, Saarland 380-399) als Bundespräsident für eine zweite Amtszeit. Zu seiner Wiederwahl erschien ein Sonderpostwertzeichen zu 20 Pf der Senatsverwaltung für Post- und Fernmeldwesen in einer Auflage von 1 Million (Mi Berlin 118). Von hohem Symbolgehalt war die Wahl des Motivs „Freiheitsglocke“ (Klöppel in der Mitte) als Neuauflage ohne Wasserzeichen mit dem schwarzen Aufdruck „Wahl des Bundespräsidenten in Berlin 17. Juli 1954“. Frankaturen mit dieser Marke wurden von der Deutschen Post der DDR wie schon die Ausgabe „Deutsche Kriegsgefangene“ (Mi 165) unkenntlich gemacht. Das Sonderpostamt führte den Sonderstempel (1) Berlin-Charlottenburg 9, „Bundesversammlung in Berlin 17. Juli 1954“. Nicht uninteressant dabei ist die Tatsache, dass der Ersttag in die Zeit des Schlesier-Treffens vom 15. bis 18. Juli in Frankfurt am Main fiel, das mit einem Sonderstempel belegt werden kann. Im Rahmen seines Aufenthaltes in Berlin gab der Bundespräsident am 18. Juli 1954 der Neubausiedlung auf dem Thomashof den Namen Ernst-Reuter-Siedlung (Mi Berlin 115, 165, 259, 846) und zeichnete vor 90.000 begeisterten Zuschauern im Olympiastadion die deutsche Fußball-Nationalmannschaft unter Sepp Herberger (Mi Bund 1896, 2258-2259, 2385), die am 4. Juli 1954 im Volksparkstadion in Bern die Fußball-Weltmeisterschaft errungen hatte, mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus. Am 20. Juli 1954 hielt der Bundespräsident aus Anlass des 10. Jahrestages des fehlgeschlagenen Attentats auf Adolf Hitler in der Bendlerstraße (heute von Stauffenbergstraße) die Gedenkansprache für die Widerstandskämpfer (Mi Bund 397, 431-438, Bl 3, 505, 738, 771, 832, 973, 1031, 1162, 1431, 1466, 1497, 1574, Bl 29, 1431, 1466, 1497, 1574, 1584, 1643, 1741, Bl 29, 1824, 1848, 2092, 2233, 2233 P, 2273, 2310, 2354, 2571, 2590, Berlin 197, 719, SBZ 20-22 u.v.a.). Zu ihrem Gedenken gab die Senatsverwaltung für Post- und Fernmeldewesen ein Sonderpostwertzeichen zu 20 Pf (Mi Berlin 119) heraus. Für die Abstemplung von Ersttagsbelegen wurde in Berlin W 35 ein Sonderstempel verwendet.

Im November 1954 wurde die beschädigte Kuppel des Reichstagsgebäudes gesprengt. Im Oktober 1955 sprach sich der Deutsche Bundestag für den Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes aus, obwohl dessen spätere Zweckbestimmung noch nicht absehbar war.

Die erste Phase der Wiederaufbaumaßnahmen von 1957 bis 1961 verfolgte zunächst nur das Ziel, die bauliche Substanz zu erhalten. In einer zweiten Phase von 1961 bis 1972 wurde das Gebäude nach Plänen von Paul Baumgarten wiederhergestellt. Alle Arbeiten am Reichstagsgebäude standen unter der Leitung der Bundesbaudirektion.

Der Deutsche Bundestag hielt bis zum Viermächteabkommen vom 3. September 1971 regelmäßig Sitzungen und Tagungen im freien Teil der alten Reichshauptstadt ab und unterhielt eine kleine Dienststelle als Berliner Büro. Das Plenum des Deutschen Bundestages tagte bis 1971 fünfmal in Berlin, u.z. jeweils im Oktober 1955 (Mi Berlin 129-130), 1956, 1957 (Mi Berlin 174-175) und 1958 sowie im April 1965. Außer zu Plenarsitzungen kamen die Abgeordneten zu Ausschuss- und Fraktionssitzungen in Berlin zusammen, die die Verbundenheit zur alten Reichshauptstadt dokumentierten und als "Berlin-Wochen des Bundestages“ bezeichnet wurden.

Für Plenarsitzungen stand damals das Reichstagsgebäude noch nicht zur Verfügung, so dass der Deutsche Bundestag auf andere Gebäude ausweichen musste, wenn er in die Westsektoren der Stadt Berlin einberufen wurde: 1955 und 1956 war es die Technische Universität (Mi Berlin 49, 55, 56, 261), 1957, 1958 und 1965 die im Rahmen der INTER-BAU 57 errichtete Benjamin-Franklin-Halle, die "schwangere Auster", wie die Berliner schnoddrig - liebevoll sagten, einem Geschenk der USA an das freie Berlin (Mi Berlin 154 und 162).

Bemerkenswert sind zwei Sonderpostwertzeichenserien der Landespostdirektion Berlin, die die inzwischen gewachsene, aber auch politisch gewollte Zusammengehörigkeit des freien Teils von Berlin mit der Bundesrepublik Deutschland deutlich machten: Anlässlich der ersten Plenarsitzung des Deutschen Bundestages vom 17. bis 22. Oktober 1955 im Großen Hörsaal des Physikalischen Instituts der Technischen Universität in Berlin erschienen am 17. Oktober 1955 zwei Sonderpostwertzeichen zu 10 und 20 Pf mit dem Berliner Landeswappen auf dem Bundesadler. Die in den Bundesfarben gehaltenen Sonderpostwertzeichen hatten eine Auflage von 5 bzw. 1 Million Stück (Mi Berlin 129-130). Beim amtlichen Ersttagsbrief wird eine Auflage von 28.000 Stück angegeben. Das Sonderpostamt in der Technischen Universität, Berlin-Charlottenburg, führte einen unterbrochenen Zweikreis-Sonderstempel (1) Berlin-Charlottenburg 2, „Bundestagssitzung in Berlin, 17.-22.10.55“. Es liegen Belege in die DDR vor, die trotz der politischen Aussage der Sonderpostwertzeichen nicht beanstandet worden sind. Bei den späteren Sitzungen des Deutschen Bundestages wie vom 8. bis 13. Oktober 1956 oder vom 29. September bis 3. Oktober 1958 verwendete das Sonderpostamt den Sonderstempel mit der geänderten Angabe der Sitzungsdauer im unteren Kreisbogen.

Zur konstituierenden Sitzung des 3. Deutschen Bundestages erschienen am 15. Oktober 1957 zwei Sonderpostwertzeichen zu 10 und 20 Pf mit der Wiedergabe des Bundesadlers und dem Text „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Die Postwertzeichen sind in den Bundesfarben gehalten und hatten eine Auflage von 3 und 2 Millionen Stück (Mi Berlin 174-175). Während der konstituierenden Sitzung waren beim Postamt (1) Berlin NW 40 Kongresshalle nur Abstemplungen mit dem Tagesstempel möglich. Belegt sind auch Einschreibbelege mit dem Tagesstempel und dem Kennbuchstaben b. Erst am 19. September 1957 war die Benjamin-Franklin-Halle (Kongresshalle) (Mi Berlin 154, 162) eröffnet worden. Das amtliche Ersttagsblatt zeigt einen Auszug aus der Rede von Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (1906 bis 1986) (CDU), die er zur Eröffnung der 106. Sitzung des 2. Deutschen Bundestages am 19. Oktober 1955 in Berlin-Charlottenburg gehalten hat. Letztmalig trat der Deutsche Bundestag 1965 in der Kongresshalle zu einer Plenarsitzung zusammen.

Am 29. September 1958, dem ersten Tag der Sitzungswoche des Deutschen Bundestages in Berlin, erschien das Sonderpostwertzeichen der Serie „Männer der Geschichte Berlins“ zu 10 Pf mit Ernst Reuter (Mi Berlin 165). Der Erstausgabetag fiel auf den 5. Todestag des beliebten Regierenden Bürgermeisters.

Nach anfänglicher Zustimmung sahen die UdSSR und eine immer selbstbewusstere DDR in den Aktivitäten des Bundes, natürlich auch denen des Deutschen Bundestages, einen Verstoß gegen den Viermächtestatus von Berlin, den sie selbst schon lange ausgehöhlt hatten und durch ihre „Drei-Staaten-Theorie“ mit der „selbstständigen politischen Einheit Westberlin“ in neue Bahnen zu lenken versuchten. Störaktionen der UdSSR und Schikanen der DDR waren ab 1958 häufige Begleitumstände der Sitzungen des Deutschen Bundestages in Berlin (Mi DDR 1020-1021). Obwohl es dem Viermächtestatus widersprach, war der sowjetische Sektor von Berlin (oder „demokratische“, wie er von der DDR bezeichnet wurde) zur Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik erhoben worden und spätestens in den Morgenstunden des 13. August 1961 (Mi DDR 1691-1692, 3037) musste jedem klar sein, wie es um Berlin, aber auch um die DDR bestellt war.

In den Ausstellungshallen am Berliner Funkturm trat am 1. Juli 1959 die 3. Bundesversammlung zusammen und wählte Heinrich Lübke (1894 bis 1972) (CDU) (Mi Bund 1157) zum zweiten Bundespräsidenten. Am 30. Juni und 1. Juli führte das Sonderpostamt den Sonderstempel (1) Berlin-Charlottenburg 9, „Bundesversammlung in Berlin 1. Juli 1959“, mit den Kennbuchstaben a bis c, der als bildliche Darstellung die Ostpreußenhalle zeigt. Die Schalter in der Schlesienhalle, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, führten den Sonderstempel mit dem Kennbuchstaben a. Zur Vereidigung des Bundespräsidenten wurde am 15. September 1959 bei den Postämtern Bonn 1 und Bonn 9 je ein Besonderer Stempel mit den Kennbuchstaben a bis c eingesetzt (Mi Bund Bl 2). Auf Schloss Augustusburg zu Brühl gab der Bundespräsident am Abend des gleichen Tages einen Empfang, der mit dem Sonderstempel (22c) Brühl (Bz. Köln), „Bundespräsidenten Empfang Schloss Brühl“ belegt werden kann. Seit dem 20. Juli 1960 kam die Dauermarke „ Berliner Städtebilder (II)“ zu 1 Pf mit dem Brandenburger Tor (Mi Berlin 140 w) an den Postschaltern des Bundesgebiets in den Postverkauf. Das Kuratorium „Unteilbares Deutschland“ empfahl, aus Solidarität zu Berlin eine Marke zu 1 Pf (Mi Berlin 140 w/y) neben der erforderlichen Frankatur zu kleben.

Als am 13. August 1961 die DDR mit Billigung der UdSSR in Berlin mit dem Bau der Mauer begann, stieg im freien Teil Berlins die Nervosität der Bevölkerung. Am 19. und 20. August 1961 besuchte US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson (1908 bis 1973) und bekräftigte die Garantien der amerikanischen Regierung für den Westteil der Stadt. Am 19. Mai 1961 hatte US-Präsident John F. Kennedy (1917 bis 1963) Lucius D. Clay, den ehemaligen US-Militärgouverneur und Initiator der Luftbrücke, zum Sonderbeauftragten für Berlin ernannt. Bei einer Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg wurden beide Politiker von mehreren Hunderttausend Berlinerinnen und Berliner begeistert gefeiert.

Erst am 22. August 1961 kam Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876 bis 1967) (CDU) (Mi Bund 557, XI, 567, Bl 4, 876, 1351, 1601) zu einem Besuch in die geteilte Stadt, nahm an einer mehrstündigen Sitzung des Senats teil und informierte sich über die Lage an der Sektorengrenze. Die abwartende Haltung des Bundeskanzlers quittierten viele Berlinerinnen und Berliner mit Mißfallen.

Vor seiner Rückkehr in die USA verlieh am 5. Mai 1962 die Stadt Berlin Lucius D. Clay als zweitem Ausländer die Ehrenbürgerwürde.

Vom 29. August bis 1. September 1963 fand in der Akademie der Künste in Berlin unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt (1913 bis 1992) (SPD) (Mi Bund 1706) die NAPOSTA ´63 statt. Lucius D. Clay, ein großer Freund der Berlinerinnen und Berliner, war im Ehrenpräsidium der Nationalen vertreten. Bezeichnenderweise erschien am Eröffnungstag der NAPOSTA ´63 ein Sonderpostwertzeichen mit einer historischen Darstellung des Potsdamer Platzes (um 1825) (Mi Berlin 222), einem Brennpunkt der deutschen Teilung, im Rahmen der Serie „Alt-Berlin“ (Mi Berlin 218-229).

Anlässlich seines Abschiedsbesuches in Berlin wurde am 10. Oktober 1963 den scheidenden Bundeskanzler Konrad Adenauer die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin verliehen. Beim Postamt 1 Berlin 12 wurde ein Besonderer Stempel geführt.

In den Ausstellungshallen am Berliner Funkturm trat am 1. Juli 1964 die 4. Bundesversammlung zusammen und wählte Heinrich Lübke (Mi Bund 1157) für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident wieder. Das vom 30. Juni bis 1. Juli 1964 eingerichtete Sonderpostamt führte den Sonderstempel 1 Berlin 19, „Wahl des Bundespräsidenten“, mit der bildlichen Darstellung des präsidialen Bundesadlers und verklebte auf Einschreibsendungen Einschreibnummernzettel mit der Bezeichnung „1 Berlin 19 / (Ausstellungshallen)“. Zu seiner Wiederwahl erschienen für das Bundesgebiet und den Bereich der Landespostdirektion Berlin am Nachmittag des 1. Juli je zwei Sonderpostwertzeichen zu 20 und 40 Pf (Mi Bund 429-430, Berlin 234-235) in Auflagen von 77,7 und 41,1 sowie 10 und 7,6 Millionen, die zunächst nur vom Sonderpostamt in den Ausstellungshallen am Funkturm, von allen Postämtern in Berlin sowie den Postämtern 53 Bonn 1 und 53 Bonn 9 (Bundeshaus) abgegeben wurden. Auch beim Sonderpostamt anlässlich der Bundesversammlung wurde der Ersttagsstempel geführt.

Die Deutschen Bundespost brachte mit Sonderpostwertzeichen das Reichstagsgebäude immer wieder in Erinnerung. Im Rahmen der Serie "Hauptstädte der Länder der Bundesrepublik Deutschland" erschienen am 19. September 1964 zwei motivgleiche Sonderpostwertzeichen - eine Ausgabe für das Bundesgebiet (Mi Bund 421) mit 30 Millionen und eine für Berlin (Mi Berlin 236) mit 7 Millionen Marken - mit dem Reichstagsgebäude. Bei den Postämtern 1 Berlin 12 und 53 Bonn 1 wurden Ersttagsstempel geführt, die auch wechselweise und auf Mischfrankaturen abgedruckt werden durften.

Nicht ohne Reiz sind Belege mit der Frankatur der Ausgabe der Landespostdirektion Berlin, die beim Postamt (22c) Bonn Bundeshaus, später 53(00) Bonn 9, aufgegeben wurden. Das Postamt (22c) Bonn Bundeshaus war am Vorabend der Konstituierung des Deutschen Bundestages am 6. September 1949 eröffnet worden. Am 15. Juli 1956 wurde es in (22c) Bonn 9 umbenannt. Seit dem 26. Februar 1957 wurden im nicht der Allgemeinheit zugänglichen Teil des Postamtes (22c) Bonn 9 auch die jeweils im Postverkauf befindlichen Postwertzeichen der Landespostdirektion Berlin abgegeben. Erst knapp drei Jahre später, nämlich ab 6. Januar 1960, wurde der Verkauf der Postwertzeichen der Landespostdirektion Berlin auch auf die Schalter des öffentlich zugänglichen Teils des Postamtes (22c) Bonn 9 ausgeweitet. Seit dem 15. November 1967 führte das Postamt 53 Bonn 9 einen ständigen Besonderen Stempel mit der bildlichen Darstellung des Bundeshauses. Am 23. Oktober 1969 wurde die Schalterstelle im neuen Abgeordnetenhochhaus, dem „Langen Eugen“, die noch bis Anfang 1972 die bisherige Amtsbezeichnung 53 Bonn 9 führte, eröffnet. Am 25. Oktober 1971 nahm die Deutsche Bundespost das Postamt 53 Bonn 12 in der neuen Ladenzeile neben dem Abgeordnetenhochhaus, Hermann-Ehlers-Straße 8, in Betrieb. Wegen des Umzuges des Deutschen Bundestages nach Berlin wurde am 30. Juli 1999 die Schalterstelle im Abgeordnetenhochhaus geschlossen.

Die Deutsche Post der DDR gab am 5. Mai 1965 in einer beschränkten Auflage von 1,9 Millionen Marken im Rahmen der Serie „ 20. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus“ ein Sonderpostwertzeichen zu 60 Pf (Mi DDR 1109) heraus, das die Hissung der Flagge der UdSSR auf dem Reichstagsgebäude durch einen Sowjetsoldaten zeigt.

Am 5. März 1969 trat in den Ausstellungshallen am Berliner Funkturm die 5. Bundesversammlung zusammen und wählte Gustav Heinemann (1899 bis 1976) (SPD) (Mi Bund 635-645, 689-692, 727-732, 1158, 2067, Berlin 359-370, 393-396, 427-433) zum Bundespräsidenten. Das Sonderpostamt führte den Besonderen Stempel 1 Berlin 12, „Wahl des Bundespräsidenten“, mit der bildlichen Darstellung des präsidialen Bundesadlers. Die Bundesversammlung war von Störaktionen der UdSSR begleitet und Sendungen mit dem Besonderen Stempel wurden von der Deutschen Post der DDR zurückgewiesen.

Am 1. Mai 1969, dem Tag der Arbeit (Mi Bund 475, 570, 1459, DDR 3322-3323), fand auf dem Platz der Republik vor dem Reichstag die Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Mi Bund 832, 1753, 2083, Berlin 197) statt. Das Sonderpostamt führte den Sonderstempel 1 Berlin 12, „Berlins Zukunft sichern“, mit der bildlichen Darstellung des Reichstagsgebäudes.

Erst zum 20. Jahrestag ihrer Gründung wurde die Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1969 mit einem Sonderpostwertzeichen (Mi Bund 585) gewürdigt. Das für jene Zeit durch seine ungewöhnliche Größe und besondere grafische Gestaltung auffallende und damals schon kritisierte Sonderpostwertzeichen wies nicht die übliche Bezeichnung "Deutsche Bundespost" auf, sondern der Schriftzug "Zwanzig Jahre Bundesrepublik Deutschland" und sollte zwei Jubiläen herausstellen: Der Bundesadler symbolisierte die Bundesrepublik Deutschland, deren Grundgesetz damals immer noch als Provisorium angesehen wurde. Der Reichsadler rief die Erinnerung an die Reichsverfassung vom 11. August 1919 (Mi Bund 596-598, Block 5) der längst vergangenen Weimarer Republik wach - der erste Versuch in Deutschland, die Demokratie dauerhaft zu verankern, die aber durch die wirtschaftliche Schwäche und die damit verbundene Radikalisierung seit 1933 von den braunen Machthabern ausgehöhlt wurde und schließlich durch die Diktatur des Nationalsozialismus unterging. Der beim Postamt 53 Bonn 1 geführte Ersttagsstempel zeigt den Bundesadler als Wappenschild und kam in der Schalterhalle des Postamtes 53 Bonn 1, bei der Sonderstempelstelle und im nicht öffentlich zugänglichen Teil des Postamtes 53 Bonn 9 im Erdgeschoss des Turmes des Bundeshauses zum Einsatz. Nur bei Einschreibsendungen ist die Annahmestelle durch den Einschreibnummernzettel zu erkennen.

Der am 11. August 1969 zum 50. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts erschienene Block (Mi Bund Bl 5) mit drei Sonderpostwertzeichen zu 10, 20 und 30 Pf mit den Porträts von Marie Juchacz (1879 bis 1956) (Mi Bund 596, auch 2305), Marie-Elisabeth Lüders (1878 bis 1966) (Mi Bund 597, auch 1940) und Helene Weber (1881 bis 1962) (Mi Bund 598) in einer Auflage von 12 Millionen erinnerte auch an den 50. Jahrestag der Reichsverfassung, ohne sie besonders zu erwähnen. Außer dem Ersttagsstempel in 53 Bonn 1 war nur die Abstemplung mit dem Besonderen Stempel „Bundeshaus“ beim Postamt 53 Bonn 9 Marken bezogen.

Auch zum 25. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus widmete die Deutsche Post der DDR am 5. Mai 1970 wieder ein Motiv der Hissung der Flagge der UdSSR auf dem Reichstagsgebäude durch einen Soldaten der Roten Armee. Das Sonderpostwertzeichen zu 10 Pf (Mi DDR 1569) hatte eine Auflage von 5 Millionen Stück.

Am 18. Januar 1971 wurde anlässlich des Jubiläums der Reichsgründung vor 100 Jahren im Spiegelsaal von Versailles, zu dem für das Bundesgebiet mit 30 Millionen (Mi Bund 658) und für die Landespostdirektion Berlin mit 7,5 Millionen Marken (Mi Berlin 385) je ein Sonderpostwertzeichen zu 30 Pf erschienen, im Reichstagsgebäude die ständige Ausstellung "Fragen an die deutsche Geschichte" (auch Mi Bund 659) eröffnet, die die demokratische und parlamentarische Tradition in Deutschland zeigte. Am gleichen Tag gedachte die Deutsche Bundespost mit einem Sonderpostwertzeichen zu 30 Pf (Mi Bund 659) in einer Auflage von 30 Millionen Marken auch des 100. Geburtstages von Friedrich Ebert. Die bildliche Darstellung zeigt eine Stufe aus der Serie „Reichspräsidenten“ (Mi DR 417) und ist mit dem Text „Dem deutschen Volke“ bedruckt.

Vom 18. Mai bis 30. September 1971 wurde die Ausstellung „1871 - Fragen an die deutsche Geschichte“ auch in der Paulskirche in Frankfurt am Main (Mi Bund 1721, 1987, Bl 43) gezeigt und mit einem Besonderen Stempel begleitet. Wenn auch von Protesten der UdSSR begleitet, konnte die Bundesrepublik Deutschland unter Duldung der Vereinigen Staaten von Amerika, Großbritanniens und Frankreichs immer wieder Sitzungen von Bundestag und Bundesrat sowie auch 1954, 1959, 1964 und 1969 Bundesversammlungen in Berlin durchführen. Erst im Viermächteabkommen über Berlin, das am 3. September 1971 unterzeichnet wurde, und seiner begleitenden Dokumente wurde in Anlage II vereinbart: "Der Bundespräsident, die Bundesregierung, die Bundesversammlung, der Bundesrat und der Bundestag einschließlich ihrer Ausschüsse und Fraktionen, sowie sonstige staatliche Organe der Bundesrepublik Deutschland werden in den Westsektoren Berlins keine Verfassungs- oder Amtsakte vornehmen, die in Widerspruch zu Absatz 1 stehen."

Nachdem in Berlin keine Plenarsitzungen von Bundestag und Bundesrat sowie Bundesversammlungen mehr zulässig waren, traten dennoch im Reichstagsgebäude Bundestagsausschüsse und Fraktionen wiederholt zu Sitzungen zusammen. Ebenso wurden im Reichstagsgebäude andere politische und gesellschaftliche Veranstaltungen durchgeführt.

Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an Bundeskanzler Willy Brandt wurde am 10. Dezember 1971 in 53 Bonn 1 ein Besonderer Stempel in Ovalform geführt.

Letztmalig wurde die Szene der Hissung der Flagge der UdSSR auf dem Reichstagsgebäude am 6. Mai 1975 auf dem ungezähnten Sonderpostwertzeichen zu 50 Pf im Block zum 30. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus mit 2 Millionen Auflage realisiert (Mi DDR 2042 / Bl 42).

Zum 100. Geburtstag ehrte am 14. November 1975 die Landespostdirektion Berlin den großen Demokraten Paul Loebe, der Mitglied des Parlamentarischen Rates und auch Alterspräsident des ersten Deutschen Bundestages war, mit einem Sonderpostwertzeichen zu 50 Pf in einer Auflage von 7,05 Millionen Marken (Mi Berlin 515). Neben seinem Porträt ist sein langjähriger Wirkungsort, das Reichstagsgebäude, zu erkennen.

Auf dem Gelände des ehemaligen Stadtschlosses der Hohenzollern in Berlin weihte die DDR am 23. April 1976 auf dem Marx-Engels-Platz den Palast der Republik (Mi DDR 2121, 2125, Bl 45) ein, der auch Sitz der Volkskammer war. Im Palast bot das Postamt „1025 Berlin 25 Palast der Republik“ Post- und Fernmeldedienste an.

Anlässlich einer Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages am 17. Juni 1978 zum 25. Jahrestag des Arbeiteraufstandes in der DDR wurde beim Postamt Bonn 12 ein Besonderer Stempel (Ovalform) geführt.

Stellvertretend für die vielfältigen Aktivitäten des Kuratoriums Unteilbares Deutschland ist an dieser Stelle ein am 19. Juni 1979 in 1 Berlin 12 geführter Sonderstempel zum 25jährigen Bestehen mit der bildlichen Darstellung des Brandenburger Tors (Ovalform) zu erwähnen.

Am 8. September 1979 wurde beim Sonderpostamt 1000 Berlin 12 der Sonderstempel „30. Tag der Heimat“ mit der bildlichen Darstellung des Reichstagsgebäudes (Ovalform) verwendet. Das oben angeordnete Sonderpostwertzeichen der Blockausgabe "Grundgedanken der Demokratie - Bedeutende Gebäude aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" (Mi Bund Block 20) in einer Auflage von 7,999 Millionen Blocks, die am 20. Juni 1986 ihren Erstausgabetag hatte, zeigt das Reichstagsgebäude (Mi Bund 1287). Sendungen mit dieser Frankatur wurden von der Deutschen Post der DDR und anderen kommunistischen Postverwaltungen zurückgewiesen und an den Absender zurückgeleitet. Da es sich um eine Ausgabe für das Bundesgebiet handelte, wurde nur beim Postamt 5300 Bonn 1 in der Schalterhalle und bei der Sonderstempelstelle sowie bei der Schalterstelle des Postamtes 5300 Bonn 12 im Abgeordnetenhochhaus der Ersttagsstempel geführt.

Vom 2. bis 4. November 1988 fand im Reichstagsgebäude der Bundeskongress „Frauen und Wirtschaft in den 90er Jahren“ statt. Das Sonderpostamt führte einen Sonderstempel mit der bildlichen Darstellung des Reichstagsgebäudes in Ovalform.

Am 9. September 1989, dem 50. Geburtstag des Mitautors Werner Nau, wurde in Berlin der 40. Tag der Heimat begangen. Beim Sonderpostamt 1000 Berlin 12 wurde ein Sonderstempel (Ovalform) mit der bildlichen Darstellung des Reichstagsgebäudes verwendet.

In freien Wahlen bestimmten am 18. März 1990 die Bürgerinnen und Bürger der DDR (Mi DDR 3315) die Abgeordneten der Volkskammer. Das historische Ereignis kann mit einem Sonderstempel nicht belegt werden. Am 5. April 1990 trat im Palast der Republik die Volkskammer zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Im Palast der Republik bestand vom 23. April 1976 bis 19. September 1990 das Postamt 1025 Berlin 25 Palast der Republik.

 
 
 
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