Vom Reichstag zum Bundestag in Berlin
 
 

Die Nationalversammlung in Weimar
 

Mit einer Wahlbeteiligung von 83% wurde am 19. Januar 1919 in allgemeiner, unmittelbarer und geheimer Wahl, an der auch Frauen teilnehmen durften und das Wahlalter auf 20 Jahre heruntergesetzt worden war, die verfassunggebende Nationalversammlung gewählt: 37,9% für die MSPD, 19,7% für das Zentrum, 18,5% für die DDP, 10,3% für die DNVP, 4,4% für die DVP und 7,8% für die USPD.

Am 4. Februar 1919 übertrug der Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik, der vom 1. Allgemeinen Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte gewählt worden war, die Staatsgewalt auf die Nationalversammlung. Sie trat am 6. Februar 1919 im Nationaltheater von Weimar zusammen (DR 107-109, 110 a-c, P 115). Für die Nationalversammlung wurden Sonderpostämter eingerichtet. Zur Beschleunigung der Postversorgung der Nationalversammlung wurde die regelmäßige Luftpostverbindung Berlin – Weimar eingerichtet (Mi Bund 576-577, 1947, Bl 41). Weimar (Mi Bund 1164-1166, 1934 A/C/D, 2028 I/II, 2302, SBZ 107-111 A/B, Bl 3 A/B, DDR 1329-1330, 2086-2088), der Tagungsort der Nationalversammlung, strahlte um 1919 noch den Genius Loci der deutschen Klassiker aus (Mi DR 385, 386, 554-555, Bi-Zone 108-110, Bund 210, 356 y, 357 y, 718, 1121, 1183, 1747, 1792, 2028 I/II, 2073, 2181, 2461, Neuausgabe Schiller, Berlin 190, 208, 209, SBZ 107-110 A/B, 234-238, 239, Bl 6, DDR 464 A/B, Bl 12, 733-734, 1944, 1856-1861, 2508-2513, 2681-2682, Bl 66, Franz. Zone 11, 12, Baden 47-49, Rheinland-Pfalz 46-48, Württemberg-Hohenzollern 44-46) und bot im Gegensatz zur Reichshauptstadt mit ihren anhaltenden revolutionären Aktionen Ruhe für die parlamentarische Arbeit. Später wurde das Bündnis aus SPD, Zentrum und DDP auch „Weimarer Koalition“ genannt und die Republik, der hier ihre Verfassung gegeben wurde, als „Weimarer Republik“ bezeichnet.

Am 11. Februar 1919 wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten. Er beauftragte Philipp Scheidemann mit der Regierungsbildung, der bereits zwei Tage später sein Kabinett gestützt auf die Weimarer Koalition mit den Abgeordneten aus MSDP, DDP und Zentrum vorstellte. Am 22. Juni 1919 stimmte die Nationalversammlung für die Annahme der Friedensbedingungen der Versailler Konferenz. Der Vertrag wurde am 16. Juli 1919 von der Nationalversammlung angenommen. Die demokratische Republik - und nicht die der Kommunisten - hatte sich durchgesetzt, als am 11. August 1919 (Mi 585) die Reichsverfassung durch Reichspräsident Friedrich Ebert im thüringischen Schwarzberg unterzeichnet wurde. Anlässlich des 75. Jahrestages führte das Postamt 07427 Schwarzberg am Jubiläumstag, 11. August 1994, einen Handwerbestempel in runder Form: „Ebert / Reichspräsident / unterzeichnet / die Weimarer Verfassung / am 11. August 1919“. Der 11. August wurde von 1919 bis 1932 als „Tag der Republik“ begangen. Am 14. August 1919 trat die Reichsverfassung in Kraft (Mi Bund 585).

Nach der Weimarer Reichsverfassung wurde der Reichstag in allgemeiner, gleicher, geheimer und freier Wahl von allen Bürgerinnen und Bürgern, die das 20. Lebensjahr vollendet hatten, gewählt. Frauenrechtlerinnen (Mi Bund 791-794, SBZ 229, DDR 476, 478, 592, 1155, Bl 25, 1558, 1651, 3085) hatten sich für das Frauenwahlrecht (Mi Bund 596-598, Bl 5, 1940) eingesetzt, das am 11. August 1919 mit der neuen Verfassung eingeführt wurde.

 
 
 
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